Acne Excorie

Es handelt sich bei Acne Excoriee um eine Erkrankung, bei der die Betroffenen zwanghaft immer wieder an Hautunreinheiten quetschen, kratzen oder knibbeln, auch wenn sie meist nur unter relativ leichter Akne leiden.  Oft können die Betroffenen auch bereits entzündete oder verkrustete Stellen nicht abheilen lassen, so daß es zu stärkeren Entzündungen bis hin zur Narbenbildung kommen kann.

Für Acne excoriee werden noch weitere Begriffe verwendet und zwar Neurotische Excoriation, Psychogene Excoriation und Dermatillomanie. Es handelt sich um eine Autoaggressive Zwangserkrankung (und nicht wirklich um ein Hautproblem). Es ist eine Art Verhaltensstörung und ganz wichtig: KEINE "dumme Angewohnheit". Oft ist es zunächst nicht so einfach, sich von dem Gedanken der "dummen Angewohnheit" zu befreien und es als psychische Erkrankung zu akzeptieren.
Ich selbst hatte damit einige Schwierigkeiten, denn wer hat schon gerne irgendwas "mit der Psyche" und überhaupt ansonsten bin ich doch eher sehr "normal-neurotisch"... . ;-) Ich konnte mir auch nicht erklären, wieso ich das habe. Ich wußte nur, daß ich es nicht lassen konnte und mein Leben in vielfältiger Weise beeinträchtigt. Ich habe jahrelang versucht, mir das "abzugewöhnen" und bin immer wieder gescheitert.
Das Problem mit dem Irrtum, es handele sich um eine "dummen Angewohnheit" ist, daß es bei dieser Betrachtung ziemlich viel Stoff liefert, auf sich selbst herumzuhacken (was nicht gerade besonders hilfreich ist...), da man es sich nicht einfach "mal eben abgewöhnen" kann und oft wütend und deprimiert darüber ist und Schuldgefühle hat, daß man es "schon wieder" getan hat. Es liegt nun mal im Wesen einer ZWANGSerkrankung, daß man es eben NICHT mal einfach lassen kann. An einer Erkrankung ist man nicht "schuld". Diese Einsicht kann helfen wieder freundlicher mit sich selbst umzugehen (DAS allerdings IST hilfreich).
Das ist alles dennoch kein Grund den Kopf hängen zu lassen.
Ich habe viel im englischsprachigen Internet recherchiert und bin dort fündiger geworden als im deutschen Netz. Ich habe dort zum ersten Mal andere Menschen mit dieser Erkrankung getroffen und das tat unheimlich gut. Mir ist echt ein Stein vom Herzen gefallen, als ich festgestellt habe, daß ich gar nicht alleine bin. Ich dachte vorher immer, ich sei der einzige "Freak" auf der Welt , der seine Haut nicht in Ruhe lassen kann.
Für Leute,  die auch im englischen Netz suchen wollen, man findet einiges unter den Begriffen "skin picking" bzw. "skin picker" (auch Betroffenenforen) und auch unter OCD (Obsessive Compulsive Disorder = Zwangserkrankung). Manchmal ist die Erkrankung mit BDD (Body Dismorphic Disorder) verknüpft, aber nicht zwingend.
Das zwanghafte Knibbeln an der Haut ist eine ähnliche Erkrankung wie ständiges Nägelkauen (Onychophagie) oder zwanghaftes Haare auszupfen (Trichotillomanie, daher auch der Begriff Dermatillomanie). Der Grad der Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein, ebenso wie es Leute gibt, die nur am Rücken knibbeln oder nur im Gesicht oder andere eben überall am Körper.
Wie ich aus eigener Erfahrung und durch die Berichte anderer Betroffener weiß, sind die psychischen Auswirkungen und die Beeinträchtigung des Lebensgefühls sehr ausgeprägt. Man geht nicht mehr ins Schwimmbad, sagt Verabredungen lieber wieder ab, trägt  nur versteckende Kleidung, geht bei anderen Erkrankungen nicht zum Arzt, weil man dann seinen Rücken zeigen müßte usw., eben alles was man aus Scham so veranstaltet.

Es gibt bisher relativ wenig Forschung über die Ursachen und wie es dazu kommt, daß jemand dieses Verhalten als Zwang entwickelt. Ist der Zwang jedoch vorhanden, sind meistens innere Spannungszustände der Auslöser für erneutes Kratzen. Das können größere seelische Probleme sein oder wenn man mal wütend auf etwas ist oder traurig. Es können jedoch ebenso  weniger deutliche innere Spannungszustände, wie z.B. Langeweile,  sein.

Es gibt  auch schon einige Erfolgsberichte in der Behandlung. Es wird in der Regel wie andere Zwangserkrankungen mit einer Verhaltenstherapie behandelt (es gibt unterschiedliche Verhaltenstherapien und auch noch andere Ansätze, das müßte individuell mit dem behandelnden Arzt geklärt werden.) Die wohl höchste Erfolgsquote hat eine Behandlung wie sie bei Trichotillomanie angewendet wird. Es gibt auch ein Buch, daß sich ausführlich damit beschäftigt (auch in Bezug auf Haut-knibbler), ist aber leider in Englisch. (Fred Penzel, Obsessive Compulsive Disorders; A complete guide of getting well and staying well, 1999).

Obwohl die Krankheit relativ unbekannt zu sein scheint, glaube ich nicht mehr, das sie soo hyper selten ist. Die Betroffenen sprechen jedoch oft nicht darüber und wer kennt schon den Begriff "Acne Excoriee"? Mit dem falschen Gedanken, es sei eine" schlechte Angewohnheit"  schämt man sich für sich selbst so sehr, daß man weder zum Psychiater/Psychologen, noch zur Kosmetikerin oder zum Hautarzt, noch sonst wo hin geht, um sich Hilfe zu holen. Man fürchtet halt der könne einem Vorwürfe machen und sagen: "Selber Schuld, hör doch einfach auf zu kratzen." (Ginge das so einfach, hätte man es längst getan...)
Wenn man jedoch weiß was man hat, kann man es z.B. dem Hautarzt als Krankheit erklären und trotzdem um Hilfe gegen die Hautunreinheiten bitten, so daß man als eine erste mögliche Hilfsmaßnahme zur Schadensbegrenzung wenigstens weniger "Anlässe" zum Kratzen findet.

Eine Mailingliste/Gruppe zu dem Thema gibt es hier: http://de.groups.yahoo.com/group/AcneExcoriee

© by Barbara